Christina Vagt
Immanuel Kant hinterlässt nach seinem Tod eine unveröffentlichte Schrift über den Äther, die innerhalb der philosophischen Kant-Rezeption sowohl inhaltlich als auch formal umstritten ist. Diese Arbeit untersucht den Übergang zwischen Kants Newton-Duch und dem empirischen Wissenschafts-System der Physik und fragt, ob es sich um einen Bruch mit seiner Transzendental-Philosophie oder um eine Krankengeschichte handelt. Es wird analysiert, ob das Opus postumum nur Symptome einer gesundheitlichen Depression darstellt oder ob es die letzte Konsequenz der Transzendental-Philosophie ist, den Ätherbeweis als eine absolute Notwendigkeit für die Wissenschaft zu präsentieren. Der Äther fungiert bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur als Träger elektromagnetischer Wellen, sondern verbindet auch das Wissen der beiden Leitdisziplinen des 19. Jahrhunderts. Die Arbeit beleuchtet die Zirkulation von Philosophie und Physik als miteinander verbundene Elemente eines einheitlichen epistemologischen Gewässers. Diese Analyse verankert sich in der Frage, wie sich die Wissenschaft um 1800 entwickelt hat und inwiefern neue experimentelle Methoden und apparative Erfindungen das Gebäude des Transzendentalismus gefährden konnten.
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